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Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

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Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Beitrag von fidelio777 am 06.08.13 7:33

In Ungarn versucht die Regierung auf diese weise die Romas zu vertreiben. Ich persönlich finde es ein wenig fragwürdig wie sie da vorgehen. Denn Wasser sollte nicht abgestellt werden bei diesen Temperaturen.

Dass Ungarn versucht die Romas loszuwerden kann ich verstehen. Nur sollte dies nicht so gemacht werden. Es gäbe da sicherlich andere Mittel und Wege dies zu tun.

Schön zu lesen ist auch, dass sich die Schweiz wieder einmal mehr mit einem Finanzhäppchen daran beteilitgt, dass die Stadt Ozd Wasserleitungen bauen und renovieren kann. Wir haben ja das nötige Kleingeld dazu. Es fehlt nun noch, dass sich die Schweiz in diesen Konflikt einmischt und den Romas vielleicht noch Asylgewähren wird. Würde mich nicht im geringsten erstaunen.

Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Aktualisiert am 05.08.2013

37 Grad und kein Wasser: Die ungarische Stadt Ozd hat den Roma den Wasserhahn zugedreht. Die Schweiz unterstützt die Wasserversorgung der Gemeinde mit einem Hilfsprojekt über sieben Millionen Franken.


Trotz extremer Hitze hat die Verwaltung der nordungarischen Stadt Ozd eine bitterarme Roma-Siedlung von der Wasserversorgung abgeschnitten. Zur Begründung erklärte das Rathaus, die Roma würden Wasser «verschwenden» und dies sei zu teuer für die Stadt.

Ozd wird von Politikern der in Budapest regierenden rechtsnationalen Partei Fidesz von Ministerpräsident Orban verwaltet. Kritiker werfen Fidesz seit langem vor, den im Land grassierenden Rassismus gegen Roma zu fördern. In der betroffenen Roma-Siedlung haben die Bewohner kein fliessendes Wasser in den Wohnungen. Sie müssen sich deshalb an den Hydranten und Brunnen auf der Strasse mit Wasser versorgen.

37 Grad im Schatten
Doch gab es dort auf Anordnung der Stadt an diesem Wochenende teils gar kein Wasser, teils nur in sehr dünnem Strahl. In Ungarn stiegen die Temperaturen am Wochenende auf 37 Grad im Schatten, die Hitzewelle soll laut Prognosen weiter andauern.

Ungarns linke Oppositionsparteien protestierten gegen die Massnahme der Ozder Stadtverwaltung. Diese sei nicht nur unmenschlich, sondern auch rechtswidrig und gefährlich für die Gesundheit im ganzen Ort, erklärte das linksliberale Oppositionsbündnis Együtt-PM (Gemeinsam-PM).

Schweiz an Trinkwasserprojekt beteiligt
Együtt-PM verwies auch darauf, dass Ozd von der Schweizer Regierung 1,5 Milliarden Forint (ca. 5 Millionen Euro) geschenkt bekommen habe, um die Wasserversorgung im Roma-Viertel einzurichten.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, die Schweiz finanziere im Rahmen des Erweiterungsbeitrags für Ungarn mehrere Infrastrukturprojekte, darunter die Trinkwasseranlage in Ozd im Umfang von mehr als sieben Millionen Franken.

35 Kilometer Leitung renoviert
Auf der Webseite des Bundes wird das Hilfsprojekt im Detail beschrieben: 35 Kilometer Rohrleitungen werden renoviert, weitere fünf Kilometer Leitungen neu gebaut.

Mit diesem Projekt, das sich kurz vor der Bauphase befinde, bezwecke die Schweiz unter anderem, zu einer nachhaltigen Wasserversorgung der Roma-Bevölkerung beizutragen, schrieb das EDA weiter. Die Rehabilitation des Wassernetzes allgemein werde den 38'000 Einwohnern von Ozd zu Gute kommen, von denen viele Roma seien.
(wid/sda)

Erstellt: 05.08.2013, 19:36 Uhr

Quelle: http://www.derbund.ch/ausland/europa/Stadtregierung-kappt-Roma-die-Wasserleitungen/story/30777749

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Re: Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Beitrag von BunterKanzler am 06.08.13 11:31

Vielleicht stimmt die Behauptung des Bürgermeisters, daß die Roma für Wasserverschwendung bekannt sind.
Dazu müsste man Zahlen haben:
Durchschnittsverbrauch pro ungarischem Einwohner und in Gegenüberstellung die gemessenen Verbrauchszahlen der Zigeuner.
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Re: Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Beitrag von fidelio777 am 07.08.13 15:09

Ja und genau so ein Vergleich fehlt leider in diesem Artikel. Dies wäre sicher interessant zu lesen wie sich der Verbrauch des Wassers aufschlüsselt.

Ich denke schon, dass die Romas mehr Wasser verbrauchen als die einheimischen Bewohner.

Dieses hindert die Schweizer Regierung nicht daran weiterhin Geld fliessen zu lassen in diese Stadt.


Kein Wasser für Roma – Schweiz will trotzdem Millionen zahlen

Von Bernhard Odehnal, Wien, , Fabian Renz, Bern. Aktualisiert um 08:08

Der Bericht über Roma-Diskriminierung im ungarischen Ozd erregt international Aufsehen. Das Deza will dort dennoch Millionen investieren. Kurios: Über die Schweizer Hilfe ist kaum jemand informiert.


«So geht das nun jeden Tag: Vor den Brunnen müssen die Menschen stundenlang warten», beobachtet Kriszta Bodis. «Sie sind genervt und verzweifelt. Aber es kommt kaum noch Wasser aus den Leitungen.» Bodis leitet eine private Hilfsorganisation im Roma-Quartier Hétes in der nordungarischen Stadt Ozd. Früher lebten hier Arbeiter des mittlerweile stillgelegten Stahlwerks. Jetzt wohnen 400 Roma in den verfallenen Häusern, fast alle sind arbeitslos. Wasserleitungen und Kanalisation gibt es hier nicht, Trinkwasser kam aus zwei Gemeinschaftsbrunnen. Bis vergangenen Donnerstag. Da legte die Gemeindeverwaltung von Ozd einen Brunnen still und reduzierte beim anderen die Durchflussmenge auf 5 Liter pro Minute. Normalerweise fliessen aus einem Brunnen an die 50 Liter Wasser, aus dem Wasserhahn zu Hause etwa 25 Liter pro Minute.

So wie Hétes ergeht es derzeit allen Roma-Quartieren der verarmten Industriestadt. In den vergangenen Tagen liess die Stadtverwaltung 27 Brunnen stilllegen und bei 62 die Durchflussmenge reduzieren. Und das bei einer Hitzewelle mit Temperaturen an die 40 Grad. Rund 2500 Menschen seien vom Wasserboykott direkt betroffen, schätzt Bodis. Vor allem die Frauen und Mädchen würden darunter leiden. Weil die Männer im Arbeitsprogramm der Regierung verpflichtet sind, müssen sie das Wasser holen. Allein das Befüllen eines Kanisters dauert nun zwei bis drei Minuten, mit dem Hin- und Rückweg und dem Warten in der Schlange brauchen sie bis zu einer Stunde, um 10 Liter Wasser zu holen.

Helvetisches Prestigeprojekt
Bodis war die Erste, die in Facebook über den Wasserentzug schrieb, denn am Wochenende «eskalierte die Situation in der grossen Hitze». Über Facebook fand die Geschichte den Weg in die Medien, zuerst in die ungarischen, anschliessend auch in die ausländischen. Beschlossen wurde die Massnahme vom Ozder Gemeinderat, in dem die Regierungspartei Fidesz die Mehrheit hat. Bürgermeister Pál Fürjes (ebenfalls Fidesz) begründet sie mit Wasserdiebstahl und Verschwendung. In den Roma-Quartieren sei nichts bezahlt worden, das Trinkwasser aber zum Autowaschen und am Bau verwendet worden. Das sei Schwachsinn, entgegnet Kriszta Bodis: Für Wasser aus öffentlichen Brunnen gebe es keine Gebühren, und niemand in Hétes könne sich ein eigenes Auto zum Waschen leisten.

Dass die Häuser der Roma-Quartiere keine eigenen Wasseranschlüsse haben, soll sich bald ändern – und zwar mit Schweizer Hilfe. 2010 unterzeichnete die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ein Abkommen mit der Gemeinde und den Wasserwerken über Sanierung und Ausbau der Wasserversorgung in Ozd. Aus der Kohäsionsmilliarde für Osteuropa sollen über 7 Millionen Franken investiert werden, um die asbesthaltigen Rohre zu ersetzen und das Netz in die Roma-Quartiere zu verlängern. Ozd ist ein Prestigeprojekt der Schweizer, das bei Präsentationen der Hilfsmassnahmen in Osteuropa oft und ausführlich erwähnt wird.

Die internationale Empörung über die Geschehnisse in Ozd hat an der Schweizer Zahlungsbereitschaft bisher nichts geändert. Die zuständigen Stellen vertrauen zum einen auf die offiziellen Dementis: Die Medienberichte über den grossflächigen Wasserentzug «decken sich nicht mit unseren Informationen», sagt Liliana de Sá, die das Büro für den Kohäsionsbeitrag in Budapest leitet. «Unsere ungarischen Partner haben uns versichert, dass für alle Bewohner von Ozd der Zugang zu einem Brunnen innerhalb von 150 Metern gewährleistet sei.» Ungarns Ombudsmann für Grundrechte untersuche jetzt die Angelegenheit. «Solange keine Ergebnisse vorliegen, ist über Auswirkungen auf unser Engagement nicht zu spekulieren», sagt de Sá. Zum andern zeige die ganze Geschichte gerade eben, wie wichtig eine ausgebaute Wasserversorgung sei: Bessere Leitungen und direkte Anschlüsse in den betroffenen Häusern entschärften die Situation mit den öffentlichen Brunnen, sagt de Sá.


Asbesthaltige Rohre
Auch wenn zum Ausmass und zu den Folgen des Wasserstopps in Ozd vorerst widersprüchliche Angaben bestehen: Für Kenner der lokalen Gegebenheiten wäre es wünschenswert, wenn die Schweiz bei ihren Entwicklungsprojekten ein schärferes Augenmerk auf die Menschenrechte legte. Gefragt wäre ein «aktives Monitoring, mit unangemeldeten Kontrollen», sagt die Schweizer Journalistin Gina Böni, die in Budapest die Stiftung Manush für sozial benachteiligte Jugendliche leitet. «Dass die Roma von Behörden, von der Polizei und in Spitälern diskriminiert werden, ist nämlich absolut alltäglich – in Ozd ebenso wie in ganz Ungarn.»

Böni hielte es zwar für kontraproduktiv, wenn die Schweiz ihr Engagement in Ozd einfach abbräche – «doch sollten Diskriminierungen nicht unkommentiert hingenommen werden». So sei etwa unbedingt darauf zu achten, dass beim Wasserversorgungsprojekt auch Roma von Aufträgen profitierten.


Noch ist wenig Geld geflossen
Immerhin: Bei groben Menschenrechtsverletzungen wäre laut Liliana de Sá grundsätzlich ein Ausstieg aus dem Projekt möglich, und noch ist wenig Geld geflossen. «Wir leisten keine Vorfinanzierung, sondern es werden – nach gründlicher Prüfung – entstandene Kosten rückvergütet. Für das Projekt in Ozd wurden bisher rund 28'000 Franken bezahlt», sagt de Sá. Es handelte sich dabei um Beiträge an das Projektmanagement. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen erst in nächster Zeit beginnen. Aus «administrativen Gründen» sei das Projekt etwas verzögert worden, erklärt de Sá.

Kurios am Ganzen: In Ozd scheint ausserhalb der Gemeindeverwaltung kaum jemand von der Schweizer Hilfe zu wissen. Kriszta Bodis erfährt erst vom TA davon und ist sehr überrascht. Letzte Woche telefonierte sie mit Bürgermeister Fürjes, und der habe vorgeschlagen, dass die Roma doch Wasserleitungen in ihre Häuser selbst bezahlen sollten. Die Gemeinde würde ein Viertel der Kosten übernehmen. Das Schweizer Projekt habe der Bürgermeister mit keinem Wort erwähnt.
(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.08.2013, 06:55 Uhr

Quelle: http://www.derbund.ch/ausland/europa/Kein-Wasser-fuer-Roma--Schweiz-will-trotzdem-Millionen-zahlen/story/29622649

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Re: Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Beitrag von fidelio777 am 07.08.13 15:14

Der Bund schrieb: Helvetisches Prestigeprojekt

Die Presse gibt gleich den Grund an weshalb die Schweiz da weiterhin Millionen bezahlen will. Vermutlich will die Schweiz mit diesem Geld etwas gutmachen. Wir werden dann in etwa 100 Jahren informiert werden, was der ware Grund für den Geldsegen in Ungarn war. Ach das werde ich ja nicht mehr erleben.


Ist das wirklich so Kurios wie dies da schreiben?

Der Bund schrieb: Kurios am Ganzen: In Ozd scheint ausserhalb der Gemeindeverwaltung kaum jemand von der Schweizer Hilfe zu wissen. Kriszta Bodis erfährt erst vom TA davon und ist sehr überrascht. Letzte Woche telefonierte sie mit Bürgermeister Fürjes, und der habe vorgeschlagen, dass die Roma doch Wasserleitungen in ihre Häuser selbst bezahlen sollten. Die Gemeinde würde ein Viertel der Kosten übernehmen. Das Schweizer Projekt habe der Bürgermeister mit keinem Wort erwähnt.


Ich denke nicht. Der Bürgermeister hat dieses Geld doch ganz einfach an sich genommen. Und die Behörden in der Schweiz wissen demnach auch von nichts. Die gehen ja eh nie kontrollieren ob die Gelder wirklich dort ankommen wo sie sollten.

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Re: Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Beitrag von BunterKanzler am 10.08.13 8:58

[quote="fidelio777"]
Der Bürgermeister hat dieses Geld doch ganz einfach an sich genommen.
Das würde ich nicht unterstellen.
Ein Geschenk an die Gemeinde wird natürlich angenommen, aber über die detaillierte Verwendung der Mittel entscheidet die Gemeinde selber, so ist das.
Ein Bürgermeister in Ungarn, der Pro-Zigeuner-Politik macht, braucht gleich gar nicht zur nächsten Wahl antreten. Weil die Ungarn sind nicht so deppert wie die Bürger anderer Länder, daß sie ein Herz für Roma und Sinti hätten...
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Re: Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Beitrag von fidelio777 am 12.08.13 13:49

BunterKanzler schrieb:
fidelio777 schrieb:
Der Bürgermeister hat dieses Geld doch ganz einfach an sich genommen.
Das würde ich nicht unterstellen.
Ein Geschenk an die Gemeinde wird natürlich angenommen, aber über die detaillierte Verwendung der Mittel entscheidet die Gemeinde selber, so ist das.
Ein Bürgermeister in Ungarn, der Pro-Zigeuner-Politik macht, braucht gleich gar nicht zur nächsten Wahl antreten. Weil die Ungarn sind nicht so deppert wie die Bürger anderer Länder, daß sie ein Herz für Roma und Sinti hätten...
Ja, da muss ich dir ganz bestimmt recht geben. Ich denke auch, dass die Ungarn sich nicht so auf der Nase rumtanzen lassen wie wir.

In der Zwischenzeit haben sie die Leitungen wieder geöffnet, aber nur zu bestimmten Zeiten. Dann dürfen die Romas zum fröhlichen Anstehen kommen und ihre tägliche Ration holen.

Wer einen Wasseranschluss will, muss zahlen

Von Bernhard Odehnal, Ozd. Aktualisiert am 09.08.2013

Die ungarische Stadt Ozd öffnet die Brunnen für Roma wieder – aber nur rund die Hälfte und mit stark gedrosseltem Durchfluss. Auch die von der Schweiz finanzierten Leitungen werden die Roma-Häuser nicht erreichen.


Ferenc Bíró hat ein Fax von der Katastrophenbehörde bekommen: Die Hitzewarnung bleibt bestehen, auch in den nächsten Tagen sind in Ungarn Temperaturen bis zu 40 Grad zu erwarten. «Wir werden die Brunnen also offenhalten», sagt der Chef der Wasserwerke von Ozd: «Zumindest über das Wochenende. Danach muss der Bürgermeister entscheiden, ob sie wieder gesperrt werden.» Ozd liegt im Nordosten Ungarns, nahe der slowakischen Grenze. Die Industriestadt geriet in die Schlagzeilen, weil der Gemeinderat beschloss, öffentliche Brunnen stillzulegen oder zumindest die Wasser-Durchlaufmenge radikal zu drosseln (TA vom Mittwoch).

Die Entscheidung traf ausschliesslich die 16 Roma-Quartiere der Kleinstadt, die in Ungarn «Segregate» genannt werden. Deren Häuser haben keinen Anschluss an das Wasserleitungsnetz, die Menschen müssen sich aus Brunnen versorgen. In der Siedlung Hétes beispielsweise hatten die 400 Bewohner zwei Brunnen. Einer wurde vergangene Woche ganz stillgelegt, ein anderer gedrosselt. Und das mitten in der Hitzewelle. Nachdem ungarische und ausländische Medien über die restriktive Wasserpolitik berichtet hatten, zog Innenminister Sándor Pinter die Notbremse und ordnete die vollständige Öffnung der Brunnen an. Die Gemeinde Ozd folgt dieser Anordnung aber nur teilweise. Von den 27 gesperrten Brunnen wurden gestern nur 15 wieder geöffnet, bestätigt Wasserwerke-Chef Bíró. Und auch bei diesen fliessen jetzt, mit einer Ausnahme, nicht mehr 50, sondern nur 5 Liter pro Minute.

Bíró verteidigt seine Massnahme: In den Roma-Quartieren sei das kostbare Trinkwasser verschwendet worden, zum Autowaschen und Befüllen von Planschbecken: «Diesen Missbrauch haben wir jetzt abgestellt.»Bíró leitet auch ein für Ozd besonders wichtiges Infrastrukturprojekt, das von der Schweizer Osthilfe bezahlt wird: Die Erneuerung der Wasserleitungen. 30 Kilometer der alten Wasserrohre aus Asbestbeton werden ersetzt, 4,7 Kilometer Rohrleitungen neu gebaut. Auch ein Reservoir wird errichtet, um die Versorgung in Notfällen zu sichern. Die Schweiz zahlt dafür 7,1 Millionen Franken. 2010 wurde das Projekt beschlossen, «im Frühjahr 2015 wollen wir das Projekt abschliessen», sagt Bíró. Er betont die strengen Qualitätskriterien der Schweizer Partner und die starke Kontrolle: Die Ausschreibung werde von Transparency International begleitet.


Ein Brunnen für 50 Menschen
Das Schweizer Aussenministerium kündigt in der Projektbeschreibung an, dass alle 38 000 Einwohner der Stadt von der Sanierung profitieren würden sowie 3500 Menschen, die Hälfte von ihnen Roma, von neuen Wasseranschlüssen. Das ist aber keineswegs gesichert. Denn saniert werden mit dem Schweizer Geld nur die Hauptstränge unter den Strassen. Die Hausanschlüsse müssen die Bewohner selbst bezahlen. Die Kosten von 90'000 Forint (circa 350 Franken) entsprechen etwa der monatlichen Sozialhilfe für eine Familie. Allerdings sind auch Ratenzahlungen möglich: Wer bis zum 30. September einen Wasseranschluss beantragt, bekommt von der Gemeinde 24'000 Forint Zuschuss.

«Natürlich hätte ich gerne einen eigenen Wasseranschluss», sagt Margareta Berki, die mit ihrem Mann und drei Kindern in einer kleinen Roma-Siedlung lebt. «Aber ich habe Angst, dass ich nicht die Raten und zugleich die Wasserrechnung bezahlen kann.» Berkis Haus steht zwischen der Fabrikmauer des stillgelegten Stahlwerks, Schlackenhalden, rostigen Rohren und überwachsenen Schienen.

Ozd war einmal ein Zentrum der ungarischen Schwerindustrie; viele Roma zogen hierher, weil sie als Ungelernte Arbeit fanden. Nach der Wende schloss das Stahlwerk – die gelernten Arbeiter zogen weg, die Roma blieben in den alten Werksiedlungen zurück. Die Arbeitslosigkeit beträgt über 30 Prozent. Margareta Berki muss sich mit 50 Mitbewohnern einen Brunnen teilen. Bereits frühmorgens steht sie Schlange und sieht zu, wie das Wasser langsam in die Kanister rinnt. Schon um acht Uhr brennt die Sonne vom Himmel. Nein, sagt Berki, so könne man nicht leben: «Aber was sollen wir tun? Uns wird viel versprochen, aber nichts gehalten.»

Die Sozialarbeiterin Kriszta Bódis sieht noch ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu einem eigenen Wasseranschluss: Viele Roma zahlten zwar Miete, lebten aber illegal in ihren Häusern. Ohne Meldezettel könnten sie keinen Wasseranschluss beantragen. Gegen Mittag steigt die Temperatur in Ozd auf fast 40 Grad. Ein Spritzwagen macht die Strassen nass, auch das gehöre zu den Massnahmen, die der Katastrophenschutz anordnete, sagt Wasserwerke-Chef Bíró. Er will dem Reporter aus der Schweiz beweisen, dass die geringe Durchflussmenge der Brunnen kein Problem sei und fährt in ein Segregat am Stadtrand. Dort füllt er mit Kollegen einen Kübel und misst die Zeit: «1 Minute und 50 Sekunden», sagt er zufrieden und schüttet das Wasser auf die Strasse. Roma-Kinder stehen daneben und schauen verblüfft. Autos sind hier keine zu sehen, Planschbecken auch nicht.


«Wassermangel? Sicher nicht!»
Ein Mann mit nacktem Oberkörper will seinen Kanister füllen. Er ist froh, dass der Brunnen zumindest wieder etwas Wasser hergibt, in den vergangenen Tagen musste er 500 Meter bis zur nächsten Wasserstelle zurücklegen. Von der Schweizer Hilfe hat er noch nichts gehört. Er wird auch nicht von ihr profitieren. Nein, sagt Bíró, «hier werden die Leitungen nicht erneuert, hier ist das nicht notwendig». In seinem Büro hängt ein Plan der von der Schweiz finanzierten Sanierung der Wasserleitungen. In Rot und Blau sind Rohre eingezeichnet, die getauscht werden, in Orange jene, die neu verlegt werden. Die vielen dünnen schwarzen Linien sind alte Rohre, die bleiben. Zu fast allen Roma-Quartieren führen schwarze Linien.

Als das Stahlwerk noch in Betrieb war, verbrauchte Ozd 6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr. Heute sind es etwa 1,3 Millionen. Das Reservoir und die Leitungen sind immer noch für die alten Mengen ausgelegt. Wassermangel? Die Wasserwerker lachen: «Nein, so etwas hat es hier noch nie gegeben.»

Quelle: http://www.derbund.ch/ausland/europa/Wer-einen-Wasseranschluss-will-muss-zahlen/story/22862595

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Re: Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

Beitrag von fidelio777 am 12.08.13 13:52

Und hier ist auch einer der vielen Gründe weshalb da noch von einer Ration gesprochen wird. Es sind dem zufolge sehr viele Romas illegal in diesem Ort.

Der Bund schrieb: Viele Roma zahlten zwar Miete, lebten aber illegal in ihren Häusern. Ohne Meldezettel könnten sie keinen Wasseranschluss beantragen.

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Re: Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

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