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Kredite: Die Kärntner Hypobank als tickende Zeitbombe

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Kredite: Die Kärntner Hypobank als tickende Zeitbombe

Beitrag von Neo am 02.04.10 18:52

Wien/Klagenfurt. Die Lage bei der verstaatlichten Kärntner Hypo Alpe Adria ist schlimmer als bislang angenommen. In der Nacht auf Karfreitag hat die Bank ihren Geschäftsbericht ins Internet gestellt. Bemerkenswerte Informationen finden sich auf Seite 34. Dort heißt es, dass die Summe der Problemkredite – im Fachjargon auch „Non-Performing Loans“ genannt – im Vorjahr auf einen Rekordwert von 7,3 Mrd. Euro gestiegen ist. Im Vergleich zu 2008 entspricht dies einer Verdoppelung.

„Non-Performing Loans“ sind Kredite, die schon wertberichtigt wurden oder ausfallsgefährdet sind. Unter dem Strich verfügt die Hypo über ein Kreditvolumen von 42,7 Mrd. Euro.

Die meisten Schuldner wurden vom Bankmanagement bewertet. Für Ausleihungen in der Höhe von 2,7 Mrd. Euro gibt es aber kein Rating. Die restlichen 40 Mrd. Euro teilt das Institut in fünf Bonitätsklassen ein (siehe Grafik). In der besten Kategorie (1A bis 1E) liegen 9,8 Mrd. Euro. Auf die schlechteste Klasse (5A bis 5E) entfallen die erwähnten „Non-Performing Loans“ mit 7,3 Mrd. Euro.

Bemerkenswert ist, dass sich in der zweit schlechtesten Kategorie (4A bis 4E – mangelnde Bonität) noch einmal Darlehen in der Höhe von 7,37 Mrd. Euro befinden. Diese wurden zur Beobachtung auf die „Watchlist“ gesetzt.
Ukrainische Verhältnisse

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich heuer die Lage im Zuge der Wirtschaftskrise noch einmal verschlechtern wird. Immerhin hat die Nationalbank vor Kurzem erklärt, dass der Höhepunkt bei den Kreditvorsorgen noch nicht erreicht wurde. Bei den meisten heimischen Banken lag der Anteil der ausfallsgefährdeten Darlehen am gesamten Kreditvolumen im Vorjahr bei drei bis fünf Prozent. Bei der Hypo waren es 17 Prozent. Nur Finanzinstituten in der Ukraine und Kasachstan geht es noch schlechter.

Schlechte Zahlungsmoral



Trotzdem hat die Kärntner Bank im Vorjahr nur Risikovorsorgen in der Höhe von 2,57 Mrd. Euro gebildet. Begründet wird dies damit, dass den Problemkrediten Sicherheiten in der Höhe von 4,1 Mrd. Euro gegenüber stehen – wie etwa Immobilien. Zudem weist die Bank darauf hin, dass die Zahlungsmoral bei Kunden in Italien und Südosteuropa schlechter ist als in Westeuropa. Kunden würden ihre Kreditraten „oft deutlich nach 90 Tagen zahlen“.

Auf Druck der Finanzmarktaufsicht und der Nationalbank musste die Bank im Vorjahr das Risikomanagement verbessern. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Klagenfurt haben die früheren Hypo-Verantwortlichen Darlehen an Personen im In- und Ausland gewährt, „von denen sie wussten, dass diese die ausbezahlten Kredite nicht zurückzahlen werden“.

Bei den Töchtern in Serbien, Montenegro, Bosnien und Kroatien habe es bis zum Vorjahr „keine schriftlichen Vorgaben zur jährlichen Kreditüberwachung und Analyse der Kreditnehmer“ gegeben. Allein in Bulgarien seien 347 Kreditgeschäfte betrügerisch gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Kunden zogen Einlagen ab
Zurückgegangen sind auch die Kundeneinlagen. Im Zuge der Diskussion um eine mögliche Pleite des Instituts wurden laut Geschäftsbericht in Österreich im Vorjahr 800 Mio. Euro an Einlagen abgezogen. „Wie hoch das Einlagevolumen in Österreich derzeit ist, geben wir nicht bekannt“, sagt eine Banksprecherin.

Bereits am Mittwoch hatte die Hypo in einer Aussendung darüber informiert, dass 2009 ein Verlust von 1,6 Mrd. Euro angefallen war. Das Institut verfügt über anrechenbare Eigenmittel in der Höhe von drei Mrd. Euro. Um eine Pleite zu verhindern, schoss der österreichische Staat bislang 1,5 Mrd. Euro zu. Der neue Hypo-Chef Gottwald Kranebitter geht „nach derzeitigem Stand“ davon aus, dass die Hypo kein zusätzliches Geld vom Staat brauchen wird. Gänzlich ausschließen will er aber eine weitere Finanzspritze nicht. Denn möglicherweise fänden sich weitere Leichen im Keller.

Für Hypo-Aufsichtsratspräsident Johannes Ditz ist die Lage nach wie vor „sehr, sehr kritisch“. Lediglich die Insolvenzgefahr sei gebannt worden. Kranebitter deutete vor Kurzem an, dass er zur Sanierung eher fünf statt drei Jahre brauchen wird.

Zurückgewiesen werden von der Staatsbank Meldungen, wonach sie in Montenegro ins Visier der dortigen Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche geraten sei. „Es gibt in Montenegro keine Untersuchungen gegen uns“, versichert eine Sprecherin. Ermittlungen würden vielmehr gegen einen flüchtigen Mafiaboss laufen, mit ihm habe die Hypo allerdings nichts zu tun.

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